Das Queyras: Ein Beispiel für nachhaltigen Wandertourismus in den Französischen Alpen

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Das Queyras: Ein Beispiel für nachhaltigen Wandertourismus in den Französischen Alpen
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   artin Knauer und Frieder Voll Das Queyras:* Ein Beispiel für nachhaltigen Wandertourismus in den Französischen Alpen mit Abbildung 1 Dezentraler Tourismus gleich nachhaltiger Tourismus? Das Queyras ist in Frankreich als eine Region bekannt, die sich seit ihrer touristischen Erschließung für einen dezentralen Waudertourismus als grundlegende touristische Nutzungsfonn entschieden hat. Damit handelt es sich um eine alternative Entwicklung, die sich von der nonnalen touristischen Entwicklung in den französischen Alpen grundsätzlich unterscheidet. Weil diese Strategie ökonomisch erfolgreich verlaufen ist, stellt sich die Frage, ob die bewusst entwickelten dezentralen Tourismusstrukturen den Anforderungen eines nachhaltigen Tourismus entsprechen oder nicht. Der Begriff der Nachhaltigkeit steht für eine langfristig ausgewogene Nutzung der Ressourcen, die sowohl ökologische, ökonomische als auch soziokulturelle Interessen angemessen berücksichtigt: Ökologisch ist eine Nutzungsform dann, wenn sie keine Belastung für die Umwelt darstellt. Eine Nutzungsform besitzt einen nachhaltigen ökonomischen Wert, wenn sie zunächst eine relevante Wertschöpfung erwirtschaftet und dadurch zur dezentralen Stärkung der lokalen Wirtschaft beiträgt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass dabei möglichst wenig Fremdkapital, von außerhalb der Region, investiert wird und somit Einnahmen und Ausgaben einen regionalen Kreislauf ergeben. Hinsichtlich der soziokulturellen Dimension muss eine nachhaltige Nutzungsform die regionale Lebensqualität erhöhen und die Verantwortung für die regionale Entwicklung stärken. Nachhaltigkeit hat den Anspruch alle Wirtschafts-und Lebensbereiche zu erfassen. Es muss sich also um eine ökologische, ökonomische sowie soziokulturelle [ .. ] Nachhaltigkeit handeln BAUMGARTNER 1998: 48). Tourismus, der sich an den Kriterien der Nachhaltigkeit orientiert, muss demnach diesen drei Interessensansprüchen gerecht werden. m Beispiel des Queyras soll also überprüft werden, ob dieser dezentrale Tourismus zugleich ein nachhaltiger Tourismus ist. *) Dieser Beitrag basiert auf einem Projektpraktikum am Institut für Geographie im Sommersemester 2003 (Feldarbeiten im Queyras vom 17.7.2004 bis 7.8.2004), das von Prof. Dr. Wemer Bätzing betreut wurde.  118 Martin Knauer und Frieder Voll 2.3 Kulturgeschichte Das Queyras war neben weiteren Alpentälern Bestandteil eines gr nzüberschreitenden Pass-Staates. Dieser Staat hieß Republique d Escartons u d bestand von 1343 bis 1713. Sein Name geht auf die zu entrichtende Abgabe zurüc , die von den Einwohnern an ihren Grundherren, Humbert II., für die Veräußerung on Privilegien zu entrichten war. Diese jährlich abzugebende Summe teilte das Bria c;onnais unter sich selbst auf (französisch: escarter). So kam es für dieses Gebiet z dem Namen Escartons. Zur Steueraufbringung trafen sich die Delegierten der Orte z eimaljährlich in Brianc;on «pour faire l'escart» (KJEFNER 1980: 42). Diese gemeinsa e historische Vergangenheit ist bis heute präsent (vgl. BÄTZING 2003: 113f.). 3 Tourismus ein später und entscheidender Faktor im Q Der Beginn der touristischen Erschließung setzte im Queyras, verglich n mit anderen Tourismusregionen in den französischen Alpen, erst spät ein. Gründe hierfür waren zum einen die periphere Lage, zum anderen der große Widerstand der inheimischen Bevölkerung gegenüber überdimensionierten Bauprojekten durch au wärtige Kapitalgesellschaften, wie beispielsweise die systematisch durchgeplante Skistationen in Tignes oder La Plagne, die den Nonnalfall der touristischen Entw cklung n den französischen Alpen repräsentieren (vgl. BÄTZING 2003: 143 ff.). Obwo 1 das Queyras geschichtlich betrachtet keineswegs eine abgelegene Region war, ge · et es im Zuge der modernen Erschließung ins Abseits. Doch gerade aus der peripheren Lage zu den französischen un italienischen Ballungszentren und vor allem aus der Ablehnung der Bevölke g gegenüber touristischen Großprojekten eröffnete sich eine Alternative: So wurd n im Queyras frühzeitig die Weichen in Richtung eines dezentralen Wandertourism s gestellt, und nicht umsonst ist die Region heute eine der bekanntesten Wanderre ionen in ganz Frankreich. Bereits Ende der 1960er Jahre wurde den Bewohnern de Queyras klar, dass touristische Großformen zu den endogenen Potenzialen, die sie efördert sehen möchten, nur wenig beisteuern können. Da sich die Bewohner des ueyras schon immer, und auch noch heute, sehr stark mit den kulturellen Werten ihr r Region identifizierten, erkannten sie, dass nur ein der Landschaft und Lebensfo angepasster, sogenannter sanfter Tourismus dem Ziel der Erhaltung dieser Lebens orm beitragen könne. Sie gliederten die Vennarktung eigener Produkte und ihren Lebe sstil geschickt in diese touristische Grundkonzeption ein.Daher bemühte sich das Que ras auch aktiv um eine Einbindung seiner Wauderwege in überregionale Femwande egenetze, um so ein überregional bedeutendes Sommerangebot aufzubauen. 1970 de zunächst die französische Grande Traversee des Alpes (GTA) ins Lebenge en. Generelle Zielsetzung der GTA ist es, Alpentäler- die meisten sind durch eine e orme Abwanderung der Bevölkerung geprägt -durch einen dezentralen Tourism s ökonomisch aufzuwerten, indem gezielt Talorte als Etappenziele dieses Weges g wählt werden (ausführliche Informationen über die GTA: BÄTZING 2004). · ~ ··· ·· · Nachhaltiger Wandertourismus im Queyras Französische Alpen 119 Wenig später entstanden die Grandes Randonees (GR's). Sie sind in Frankreich sehr populär, da sie besonders für Familien mit Kindem mit kürzeren Tagesetappen das Angebot an lokalen Wauderwegen ergänzen. Die GR's lassen sich im Queyras optimal mit den anderen Weitwanderwegen vernetzen; teilweise ist ihr Verlauf sogar identisch. Die bekannteste Wauderroute ist hier die GR 58, bekannt auch unter dem Namen Tour du Queyras. Seit nunmehr schon über zehn Jahren besteht auch das grenzüberschreitende EU-Projekt Alpes sans Frontieres beziehungsweise Alpi senza Frontiere. In diesem Projekt wurden grenzüberschreitende Wauderrouten zwischen Italien, der Sohweiz und Frankreich auf 20 neu erarbeiteten topographischen Karten (von Monaco bis zum Genf r See) speziell ausgewiesen und entsprechende Führer erstellt. Jüngste Entwicklung im Bereich der dezentralen Erschließung von Regionen mit Wauderwegen ist die ia Alpina. Das ia Alpina- Wegenetz verbindet vorhandene Wauderrouten zu einem grenzüberschreitenden Weitwanderweg, und erstreckt sich über den gesamtenAlpenbogen. Aus dem Queyras ist es an mehreren Stellen möglich, sowohl auf ia Alpina-Routen als auch auf den piemontesischen Weitwanderweg GTA (Grande Traversata delle Alpi) überzuwechseln. Basis für den Erfolg des dezentralen, sanften Waudertourismus im Queyras sind also mehrfache erfolgreiche Initiativen des Queyras für die Realisierung von Wauderrouten mit überregionaler Bedeutung. Ohne sie hätte das regionale Wauderangebot keine überregionale Attraktivität erlangt. Die heutige touristische Infrastruktur ist größtenteils genau auf diese Anforderungen ausgelegt. Im Queyras gibt es 10 000 Gäste betten, davon nur 11 Prozent in Hotels, 4 7 Prozent in Pensionen, aber 42 Prozent in Wanderherbergen, sogenannten Gftes, die größtenteils in der Sommersaison ausgelastet sind. 1 Die meisten Betten der mittleren Preiskategorie gibt es in Molines-en-Queyras. Das entspricht auch dem dortigen touristischen Angebot: Molines ist die einzige Gemeinde des Queyras, die sich nicht überwiegend auf den Waudertourismus konzentriert. Mit dem einzigen Skigebiet, einer Mountainbikepiste, Sommerrodelbahn und einem Hochseilgarten spricht der Ort gezielt auch Nicht-Wanderer an, was im Queyras allerdings die Ausnahme darstellt. Der Parc nature regional du Queyras Die Bewohner des Queyras zeigten nicht nur großes Engagement für Wanderrouten, sondern setzten sich auch im politischen Bereich für eine endogene Entwicklung ein. Schon 1977 wurde durch große Einflussnahme seitens des Queyras die Region zum Parc nature regional erklärt, was einen sehr frühen Zeitpunkt der Ausweisung derartiger Parks in Frankreich darstellt. Von der französischen Regierung wurden bislang 42 derartige Parks eingerichtet. NachAussage der Parkverwaltung setzen sie 1 Vgl. http://www.pnr-queyras.com/Sources/Frames Generalesllnnovation.htm, 19.4.2005.   ·· 120 Martin nauer und Frieder Voll sich zur zentralen Aufgabe, die regionale Wirtschaft in umwelt-und s zialverträglichen Formen zu stärken. Daneben nimmt auch der Schutz der Natur ei en wichtigen Stellenwert ein. Naturschutz bedeutet hier allerdings nicht eine Nie tnutzung der Natur, das heißt einen Schutz der Natur vor dem Menschen, sondern vielmehr den Erhalt der traditionellen Kulturlandschaften durch angepasste Nutzun sfonnen. 2 In dieser neueren Konzeption von Natur-und Umweltschutz[ .. ] stehend r Mensch als handelndes Individuum sowie sein Lebensraum [ .. ] im Mittelpunkt d s alltäglichen Interesses und der wissenschaftlichen Betrachtungsperspektive WEix UMER 1998: 27). Diese Parks erhielten in den 1990er Jahren alpenweit eine sehr gro e Bedeutung, als sich ein :fimdamentaler Paradigmenwechsel vom Schutz der Natur vor menschlichen Eingriffen hin zu einer angepassten Nutzung der Natur vollzog. Diese Parks dienen mittlerweile auch anderen Alpenstaaten als Vorbild (vgl. BÄTZING 200 : 213). Ein weiteres Motiv der Ausweisung einer Region zum Parc natur, l regional ist die Erhühung des Bekanntheitsgrades sowohl in Frankreich als auch i Europa. Das Queyras nutzt die Möglichkeit, mit diesem Prädikat für sein touristis hes Angebot und seine Regionalprodukte zu werben, sehr aktiv. Weiterhin unterstützt der Parc nature regional du Queyras d n Erhalt des kulturellen Erbes durch die finanzielle Förderung der Sanierung hist rischer Bausubstanz. Ebenso unterstützt der Park die Vermarktung von Regional rodukten aus dem Queyras innerhalb wie außerhalb der Region, um die endogenen otenziale der Region zu stärken. 3 Diese Maßnahmen sollen der Identifikation der Be ölkerung mit ihrer Region, dem Queyras, dienen und den Erhalt der traditionellen Ku turlandschaft durch Weiterführung der Nutzung sicherstellen. Seine finanziellen Mittel erhält der Park sowohl vom französisc n Staat ( d.h. vom Departement Hautes-Alpes) als auch vor allem von der Euro äischen Union. Im Rahmen der europäischen Integration wird der Parc nature regional du Queyras zur Zeit von zwei europäischen Programmen, LEADER und INTERREG, unterstützt. 4 Das Programm LEADER (j)aison E_ntre flctions de 2 'veloppement de l E_conomie Rurale) sorgt für eine finanzielle Unterstützung zur Entwicklung ländlicher Wirtschaftspotentiale. Für LEADER-Projekte wurde im eitraum von 1997 bis 2001 ein Fördervolumen von rund 1,5 Millionen Eurogene migt. Davon entfielen 35 Prozent auf Ackerbau, Forst-und Viehwirtschaft, die ·e Grundlage zum Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft darstellen, 15 Prozent uf die Pflege und den Erhalt historischer Bausubstanz, sechs Prozent auf kulturell Aktivitäten, zwei Prozent auf die Förderung der Abfallwirtschaft und 22 Prozent a f den Tourismus. Hier floss der Großteil der Gelder in nachhaltige Tourismusfo en, wie zum 2) Gespräch mit dem Verantwortlichen für internationale Zusammenarbeit des P rks in Guillestre am 29.07.2004. 3) Vgl. www.pnr-queyras.com/docs/lettres/3leader.pdf, 26.08.2004. 4) Gespräch mit dem Verantwortlichen für internationale Zusammenarbeit des P rks in Guillestre am 29.07.2004. _______ ____ .__ Nachhaltiger WandertouTismus im Queyras Französische Alpen 121 Beispiel den Skilanglauf Weitere 20 Prozent wurden für die Instandsetzung lokaler Infrastrukturen aufgewendet. Hierunter fällt zum Beispiel auch die Instandsetzung des Weitwanderweges 58 (GR 58: Tour du Queyras). 5 Ein weiteres Förderprogramm der Europäischen Union stellt INTERREG dar. Es steht für eine transnationale Kooperation grenznaher Regionen. So unterstützt beispielsweise das Programm INTERREG III die Zusammenarbeit des Parc nature regional du Queyras mit vier weiteren kleineren Parks auf italienischer Seite im Piemont, dem Val Troncea, Po Cuneese, Gran Bosco di Salbertrand und OrsieraRocciavre. Zielsetzung dieses Projektes ist es, gemeinsame grenzüberschreitende politische und infrastrukturelle Maßnahmen zur Förderung von Tourismus und Regionalprodukten umzusetzen und dabei die Region unter dem Label Der mythische Berg Mont Viso europaweit zu vermarkten. 6 Durch die gemeinsamen Aktivitäten innerhalb einer größeren, grenzüberschreitenden Region erfährt auch das Queyras eine Stärkung in ökonomischer und soziokultureller Hinsicht, die es aus eigener Kraft nicht erreichen könnte. 5 Entwicklungen m Queyras am Beispiel des Ortes Saint Veran Um die Leit:frage hinreichend beantworten zu können, war es nötig die Untersuchungen auf der Maßstabsebene der Gemeinde zu durchzuführen. Dafür wurde von uns der Ort Saint-Veran ausgewählt, weil sich wegen seines hohen Bekanntheitsgrades Entwicklungen des nachhaltigen WandeTtourismus (und dessen Grenzen) hier am deutlichsten und exemplarisch für das gesamte Queyras untersuchen lassen. 5 1 Die Besonderheiten von Saint Veran Die Talschluss-Gemeinde Saint-V eran liegt am Rande des Queyras -zwar an einem historischen Passübergang, aber dieser ist nicht mit dem PKW befahrbar. Die periphere Lage spiegelt sich auch im Baustil des Ortes wider. So findet man in der hoch gelegenen Gemeinde eine geschlossene Bausubstanz, die nicht aus Steinhäusern (wie in den zentralen Orten des Queyras), sondern fast ausschließlich aus Holz besteht. Das äußere Erscheinungsbild Saint-Verans sowie allerübrigen Orte im arc nature regional du Queyras wird zusätzlich durch ein Verbot von Neuausweistmg von Bauland außerhalb der Orte geschützt,? Dies verhindert eine Zersiedelung der Landschaft. Diese Gegebenheiten sind in großem Maße mitverantwortlich dafür, dass SaintV eran heute über die Grenzen Frankreichs hinweg bekannt ist. Dabei spielt die Tatsache, dass der Ort damit wirbt, mit 2040 Metern die höchstgelegene Gemeinde 5) V gl. www.pnr-queyras. com/docsllettres/31eader.pdf26 08.2004. 6) Dieser Berg ist mit 3841 Metern das Wahrzeichen der gesamten grenzüberschreitenden Region. 7) Gespräch mit der Gattin des Bürgermeisters in St. Veran am 28.07.2004.  122 Martin Knauer und Frieder Voll Europas zu sein, eine nicht unerhebliche Rolle. Tatsächlich liegt zwar der Ort Tignes mit 2100 Metern höher, jedoch entstand Tignes ab den 1960er Ja en als eine Retortenskistation , wurde also mit einer monofunktionalen Ausrich ng auf den Wintertourismus neu errichtet und ist somit nicht mit dem historisc en Ortskern Saint-Verans vergleichbar. Das äußere Erscheinungsbild des Ortes spielt also eine wichtige Ro le für dessen Anziehungskraft. Saint-V eran konnte bis heute die traditionelle Bausub tanz und die charakteristische Architektur weitgehend erhalten. In den Holzfassade der Häuser spiegelt sich der Stellenwert der Holzverarbeitung dieser Region wide , worauf die Bewohner des Queyras heute sehr stolz sind. Beweis für diese Beson erheit ist die bereits 1948 erfolgte Anerkennung durch den französischen Staat als historisches Baudenkmal und als eine der schönsten Gemeinden Frankreichs. 5.2 Der Strukturwandel n Saint Veran In der Agrargesellschaft wurde die umliegende Flur sowohl ackerhau ich als auch viehwirtschaftlich genutzt. Zeugnis des ehemaligen Ackerbaus stell n die heute noch sichtbaren Ackerterrassen dar, die zu den höchsten der Alpen z hlen und bis in 2200 m Höhe reichen. Der Strukturwandel vollzog sich, wie bei viel n derartigen Alpengemeinden, von den agrargesellschaftliehen Verhältnissen direkt h n zur Dienstleistungsgesellschaft. Ausnahmen bilden hier nur das Holz(kunst)hand erk, das bis heute einen großen, auch sozio-kulturellen Stellenwert besitzt, und ein kleine Kohlengrube, die 1940 rund 3 0 Arbeiter beschäftigte ( ANTOINE 199 5: 53). er Übergang in die Dienstleitungsgesellschaft setzte allerdings erst zwischen 1975 l d 1980 ein, was im Vergleich zu anderen für die französischen Alpen typischen Tour smuszentren relativ spät ist. Dies ist auch eine Grundvoraussetzung, warum sich d r Ort seinen ursprünglichen baulichen Charakter weitgehend erhalten konnte. Doch weshalb vollzog sich dieser Wandel erst mit einer solchen erzögerung? Ursache dafür ist nach Aussage von Einheimischen neben der peripher n Lage auch der Mentalitätsunterschied innerhalb der französischen Alpenbevölke ng. So ist in den französischen Südalpen im Gegensatz zu den französischen Nordal en eher eine innovationskritischere Einstellung zu beobachten. 8 Dem primären Sektor kommt rein wirtschaftlich gesehen nur noch e n sehr geringer Stellenwert am Einkommen der Bevölkerung zu, jedoch ist er für ie Pflege der Kulturlandschaft, die die Basis des nachhaltigen Tourismus darstellt, u verzichtbar. Gegenwärtig bewirtschaften noch vier Landwirte die Flur von Saint-eran. Milchwirtschaft wird im Ort nicht mehr betrieben, da es im gesamten Que as nur noch zwei Käsereien gibt, die sichjedoch in anderen Talorten des Queyras be· nden. Damit ist in Saint-Veran nur noch die Produktion von Fleischerzeugnissen a s Schafund Rind rentabel. 8) Gespräch mit der Gattin des Bürgermeisters in Saint Veran am 28.07.2004. I I l Nachhaltiger Wandertourismus im Queyras Französische Alpen 123 Die Gemeinde ist inzwischen fast völlig vom Tourismus abhängig. Dies wird deutlich an der Tatsache, dass die Zahl der Gästebetten im Jahr 2000 fast das Zehnfache der Einwohnerzahl (aktuell 270) beträgt. Das Angebot Saint-Verans reicht von relativ hochwertigen, komfortablen Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels, deren Fassade sich jedoch perfekt in das Ortsbild einpasst und kaum von den traditionellen Holzfassaden der Wohnhäuser zu unterscheiden ist, bis hin zu einfachen, sehr pr ~sgünstig n Nächtigungsmöglichkeiten. Diese Unterkünfte, sogenannte Gftes d Etappe sind in der Regel sehr klein und etwas spartanisch eingerichtet. Somit bedient Saint-V eran mehrere Zielgruppen: sowohl zahlungskräftige als auch eher anspruchslosere Touristen. Es lassen sich verschiedene Kategorien von Gästen unterscheiden, die in ihrer Bedeutung für die Nachhaltigkeit unterschiedlich zu bewerten sind. 9 Betrachten wir zunächst den Wintertourismus: Die touristische Infrastruktur hierfür ist im Vergleich zu anderen französischen Skistationen sehr gering ausgeprägt. Die Gemeinde versucht, dem Anspruch der N achhaltigkeit gerecht zu werden, indem sie sich auf ein überschaubares Angebot an Skipisten konzentriert. Das Skigebiet Molines/Saint-V eran zählt mit 36 Kilometern Skipisten eher zu den kleinen Skigebieten der Alpen. Dagegen weisen Wintersportorte wie Tignes oder Val d'Isere beispielsweise 150 zusammenhängende Pistenkilometer auf. Man fördert im gesamten Queyras darüber hinaus zunehmend naturschonende Wintersportarten wie zum Beispiel den Skilanglaufund das Schneeschuhwandern. Unter diesem Gesichtspunkt wurde die Förderung des Skilanglaufes in das EU-Subventionsprogramm LEADER II aufgenommen. Ein weiterer Beitrag des Wintertourismus zur Nachhaltigkeit besteht in der Einkommenssicherung der Landwirte im Winter. Ihr ganzjähriges Überleben und damit die Aufrechterhaltung der Landschaftspflege kann damit gewährleistet werden. Durch die relativ geringe Anzahl an Pisten und Skifahrern sind die Schäden an der Natur begrenzt. Im Sommertourismus bedarf es einer sorgfaltigen Differenzierung: Man kann vier Gruppen von Gästen beobachten: 1. Erlebnistouristen: Sie wollen die höchstgelegene Alpengemeinde besuchen, reisen mit dem P W an und bleiben nur sehr kurz. Diese Gruppe passt nicht in das Konzept der Nachhaltigkeit, da diese Touristen sich oftmals wie Schaulustige benehmen und sich die ortsansässige Bevölkerung dadurch wie ein Gegenstand in einem Museum fühlt. Dies schadet der regionalen Wirtschaft, dem Selbstbewusstsein der Bauern und auch der Natur, nicht zuletzt durch vermehrte Autoabgase. Um diese Negativeffekte abzuschwächen, hält die Gemeinde den Ortskern gezielt autofrei und erhebt bereits am Ortseingang eine relativ hohe Tages-Parkgebühr von derzeit zwei Euro. Anreisende Touristen werden verpflichtet, das Fahrzeug am Ortseingang auf speziell ausgewiesenen Parkflächen abzustellen. 9) Eigene Beobachtungen; Gespräch mit der Besitzerin einer Gite in Saint-Veran am 05.08.2004.
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